TikTok-Hype ums Spaßglas
TikTok-Hype ums Spaßglas: Wie Hitschies einen schwedischen Alltag vermarktet
Hitschies verkauft jetzt ein „Spaßglas-Bündel". Zehn Produkte in einem Paket – Trend bedient. Das wirkt fast ein bisschen wie ein Scherz und zeigt, wie schnell aus einer schwedischen Selbstverständlichkeit ein deutscher Produktlaunch wird.
Was auf TikTok als Trend verkauft wird, ist in Schweden Samstag
Dieses Spaßglas taucht gerade überall auf. Glas befüllen, fotografieren, posten. Einige Creator machen daraus eine kleine Typ-Analyse: Was sagt die Auswahl über dich? Andere sortieren nach Farben, wieder andere nach Weichheit oder Biss.
In Schweden filmt das niemand. Da steht so ein Glas einfach rum. Da holt man sich samstags seine Lösgodis – seit den 50ern. Nicht als Event, sondern weil Samstag ist. Hingehen, selbst schaufeln, nach Gewicht bezahlen. Keine Hashtags, keine Stories, keine große Sache.
Dass das Prinzip jetzt als „neuer Trend" in Deutschland aufschlägt, liegt nicht am Glas. Es liegt daran, dass lose Süßigkeiten hier über Jahrzehnte keine Rolle gespielt haben. Keine Regale mit Self-Service, kein Ritual. Wer hier Süßes wollte, stand vor der Kasse und griff zur Tüte – fertig gemischt, fertig verpackt, fertig gedacht.
Hitschies macht ein Produkt draus
Hitschies – die mit den sauren Drachenzungen, bunten Schnüren, Kindheit in der Tüte – haben jetzt ihr „Spaßglas-Bündel". Zehn Produkte, günstiger im Set, online zu haben. Für alle, die kein eigenes Glas füllen wollen oder sich nicht entscheiden mögen.
Das ist schon clever. So funktionieren Trends: Woanders völlig normal, wird gefilmt, verteilt – auf einmal gibt es ein fertiges Produkt.
Ob dieses Bündel bleibt oder nach ein paar Monaten wieder aus dem Shop fliegt, ist offen. Im Laden sieht man sowieso: Viele mischen längst quer durch Marken. Hauptsache bunt, Hauptsache anders als letzte Woche, Hauptsache nicht die ganze Packung auf einmal.
Was das Spaßglas wirklich ausmacht
Das Entscheidende ist nicht das Glas, sondern die Entscheidung, was rein darf. Nicht alles, nicht beliebig – sondern eine kleine, gewollte Auswahl. Fruchtig, sauer, weich, knusprig. Manchmal ein Lakritz, das die Mischung sprengt.
Das ist der Unterschied zwischen einfach reingreifen und wirklich aussuchen. Und genau das sorgt dafür, dass das Glas auf dem Schreibtisch bleibt – statt nach drei Tagen im Schrank zu landen.
Laut „ntv" geht es um Nostalgie. Ein volles Glas weckt Kindheit. Sicher, das spielt rein. Aber noch was: Mit so einem Glas naschst du langsamer. Anstatt die ganze Tüte zu reißen, greifst du immer nur ein Teil. Kein Diät-Trick, aber es zieht das Tempo raus.
Ob das wirklich der Ursprungsgedanke war, wie „Punkt 12" behauptet, lässt sich nicht sagen. Klingt aber plausibel – und wird gern weitererzählt.
Neun Jahre Berliner Alltag im Naschhaus – ohne Set, ohne Inszenierung
Im Naschhaus läuft das seit 2016. Kein Trend, sondern Ladenalltag. Über 150 Sorten Lösgodis, ab 100 Gramm pro Sorte, alles zum Selbstmischen. So, wie es in Schweden üblich ist.
Du kannst online bestellen und dein Spaßglas direkt befüllen. Oder du kommst in die Boxhagener Straße, stehst vor 150 Fächern, suchst aus, stellst aufs alte Metallwaagenbrett – fertig. Immer mehr bringen ihr eigenes Glas mit. Manche nehmen eins von uns.
Kein Bündel, keine Vorgabe – volle Freiheit. Und: Jederzeit nachfüllen, auch wenn TikTok längst weitergezogen ist.
Es gibt fertige Mischungen, klar. Der Naschhaus-Mix im Korkglas kommt schon befüllt, sieht ordentlich aus, lässt sich direkt verschenken. Wer wiederkommt, mischt trotzdem meistens selbst.
Was zuerst im Spaßglas landet – und was fehlt, wenn man zu spät kommt
Beim ersten Mal landet fast immer Ahlgrens Bilar im Glas. Die kleinen Schaumzuckerautos aus Schweden – seit 1953, leicht fruchtig, nie aufdringlich. Gehen bei uns im Laden als erstes aus.
Wer es saurer mag, greift zu BUBS: Surskallar oder Dizzy Skalle – die sind sauer genug, dass selbst Erwachsene kurz das Gesicht verziehen. Bei BUBS ist alles vegan, das Glas lässt sich also komplett pflanzlich füllen.
Für mehr Tiefe: Malaco Gott & Blandat oder Candypeople S-Märke Colasura. Und wer das Glas von süß auf salzig kippen will, nimmt Malaco Djungelvrål. Im Laden stehen manchmal Leute, die vorher behauptet haben, Lakritz sei gar nichts für sie – und dann doch die Tüte füllen.
Manche machen es kurz: nur Lakritz. Creatorin Lara zeigt das regelmäßig. Kein Kompromiss. Entweder man steht drauf, oder nicht.
Vor dem Befüllen: Dichtung nicht vergessen
Ein Punkt, den man online selten liest, aber im Laden ständig erklärt: Lösgodis mögen keine Luft. Luftdicht verschlossen hält sich die Mischung vier bis sechs Monate frisch. Ohne Dichtung werden Fruchtgummis schnell klebrig, Lakritz zäh.
Weckglas oder Apothekerglas mit Gummiring – das ist kein Deko-Tipp, sondern der Unterschied zwischen Spaß und Enttäuschung.
Alltag schlägt Trend
Der Spaßglas-Hype wird noch ein paar Monate kursieren. Die Gläser bleiben trotzdem stehen – nicht, weil Social Media sie hält, sondern weil das System einfach Sinn ergibt.
In Schweden längst Alltag, seit 70 Jahren. Lördagsgodis ist dort keine Aktion, sondern Gewohnheit. Lose Süßigkeiten, selbst zusammengestellt, bezahlt nach Gewicht. Keine Vorgabe, kein Zwang zur Inszenierung.
Hitschies macht daraus ein Paket. Das ist ihr gutes Recht. Aber es bleibt ein bisschen komisch, wie schnell aus schwedischer Routine ein deutscher Hype wird.
Häufige Fragen
Woher kommt der Spaßglas-Trend?
Aus Schweden – nur nennt es dort niemand so. Lösgodis, also lose Süßigkeiten nach Gewicht, gibt es da seit den 1950ern. Auf TikTok ist daraus ein kleines Ritual mit Glas, Licht, Hashtag geworden.
Was kommt in ein Spaßglas rein?
Alles, was du magst – aber nicht wahllos. Die meisten mischen fruchtig, sauer, weich, knusprig. Klassiker: Ahlgrens Bilar, BUBS Surskallar, Malaco Gott & Blandat. Mutige werfen noch salziges Lakritz dazu.
Warum macht man das überhaupt?
Weil du langsamer naschst. Statt die ganze Tüte zu öffnen, greifst du gezielt. Das verändert das Tempo – und macht aus Naschen eine kleine, bewusste Entscheidung.
Was ist der "Spaß" am Spaßglas?
Die Auswahl. Du stellst dir die Mischung so zusammen, wie sie dir schmeckt. Kein Standard, keine vorgegebene Tüte. Und das Glas bleibt griffbereit – steht meist mitten im Zimmer, nicht im Schrank.
Braucht man ein besonderes Glas?

Ja, aber nicht für die Optik. Luftdichte Gläser mit Gummiring halten Fruchtgummis bis zu sechs Monate frisch. Ein offenes Glas macht sie schnell klebrig oder hart.


