Naschhaus

Lördagsgodis: Warum die Schweden traditionell nur samstags naschen und andere Kuriositäten

Es ist der Traum von Tommy und Annika und vielen anderen Kindern: einfach in einen Süßigkeitenladen spazieren und achtzehn Pfund gemischte Bonbons bestellen. Pippi Langstrumpf, die sich ihre Welt macht, wie sie ihr gefällt, zahlt mit einem Goldstück. Doch zuvor probieren sich die drei Freunde noch eifrig durch das Sortiment der losen Süßigkeiten, während sich andere Kinder am Schaufenster die Nase plattdrücken.

„Wem haben seine Eltern verboten heute Süßigkeiten zu essen?“, fragt Pippi in die Gruppe hungriger Gesichter, die sich vor dem Geschäft versammelt hat. Ob sich jemand traut, trotzdem zuzugreifen? Denn eigentlich ist der Verzehr von Süßigkeiten in Schweden unter der Woche „verboten“. Aber woher kommt der seltsame Brauch der Lördagsgodis, also nur samstags zu naschen?

Lördagsgodis im Kampf gegen Karies

In den 1930er und 1940er Jahren grassierte Karies in Schweden. Wissenschaftler haben nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Studie mit dem Titel „Sockerförsöket“ (Zuckerversuch) Süßkram als Übeltäter für die fauligen Zähne ausgemacht. Die Erkenntnisse haben dann auch Vater Staat auf den Plan gerufen. Vor allem Kinder sollten nur noch einmal in der Woche naschen. Der Samstag, wenn die Familie zu Hause ist, wurde als Naschtag auserkoren.

Heute sieht es mit den Samstagssüßigkeiten nicht mehr ganz so streng aus. In schwedischen Supermärkten, wo strategisch vor der Kasse aufgestellte Regale zum Zusammenstellen eigener Süßigkeiten-Tütchen einladen, hört man unter der Woche dennoch immer mal wieder die mahnend-elterlichen Worte: „Aber es ist doch noch gar nicht Samstag.“

Naschen in Schweden – Ausnahmen bestätigen die Regel

Photo by Analia Baggiano on Unsplash

Insgeheim halten sich auch die Eltern mehr schlecht als recht an ihre Naschvorgabe. Schuld daran ist der Lilla Lördag, der „kleine Samstag“, also Mittwoch. Zur Wochenmitte sind kleine Naschereien und ein paar Drinks für die Großen erlaubt.

Auch sonst nimmt es der Schwede nicht so genau mit Ver- und Geboten. Denn kaum ein Land, das höhere Steuern auf Alkohol erhebt, und trotzdem frönen die Schweden dem Trinken! Mit Süßigkeiten sieht es da nicht anders aus. Im Gegenteil. Mir fällt kein Land mit einer besserer Naschkultur ein. Im Naschen sind die Schweden einsame Spitze – Naschweltmeister sozusagen. Dass sie sich trotzdem nicht an Süßem überfuttern, liegt an lagom.

Eigentlich ist das Wort geradezu unübersetzbar, aber wenn wir es dennoch versuchen, geht es darum, das richtige Maß zu finden. Lagom ist dann, wenn du beim Essen (oder Naschen) zwar nicht mehr hungrig, aber auch noch nicht überfressen bist. In einem Land, wo Süßigkeiten nach Gewicht und nicht nach Sorte verkauft werden, lernen Naschkatzen früh, was es heißt Maß zu halten: 100 Gramm und gut.

Im Naschhaus: Schlemmen wie Pippi Langstrumpf

Im Naschhaus in Berlin-Friedrichshain kannst du Maß halten oder wie Pippi Langstrumpf einkaufen und bunt gemischte Süßigkeiten tütenweise mit nach Hause nehmen. Im Geschäft, aber auch online stellst du dir deine ganz persönliche Mischung Lösgodis zusammen. Dann werden die losen Süßigkeiten abgewogen und zum Festpreis bezahlt. Wir akzeptieren nur leider keine Goldstücke.

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One thought on “Lördagsgodis: Warum die Schweden traditionell nur samstags naschen und andere Kuriositäten

  1. Jonas sagt:

    Wieder was dazu gelernt. Die Schweden haben es schon drauf.
    Ich liebe das Land!

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