Fika auf Schwedisch: Warum Kaffeepause und Zimtschnecke zusammengehören
Wer einmal in Schweden war, wird Fika nicht vergessen. Das Wort klingt simpel, aber was dahintersteckt, ist Kult und Alltag zugleich: eine Kaffeepause, die sich nicht nach Arbeit oder Terminkalender richtet, sondern nach Lust und Laune. In Berlin reden viele über Entschleunigung, in Schweden lebt man sie – am Kaffeetisch, mit Zimtschnecke und Freunden.
Was Fika in Schweden wirklich bedeutet
Fika ist kein Marketingbegriff. Auch keine Modeerscheinung. Fragen Kundinnen im Laden nach „Fika", meinen sie keine spezielle Süßigkeit, sondern eine Haltung: gemeinsam anhalten, Kaffee trinken, Kuchen oder Gebäck dazu. In Schweden ist Fika fast ein Grundrecht. Morgens um zehn, nachmittags halb drei, alle ziehen kurz die Reißleine. Im Büro, zu Hause, im Café, selbst draußen auf der Parkbank. Es geht nicht nur um den Kaffee. Es geht um Pause, Austausch, ein bisschen Alltagsteilung.
Im Vergleich zur deutschen Kaffeepause ist Fika weniger Pflicht, mehr Ritual. Man lässt sich Zeit, auch wenn draußen alles weiterläuft. Und dieses „lagom", das berühmte schwedische Nicht-zu-viel-nicht-zu-wenig, schwingt in jedem Schluck mit.
Zimtschnecken, Chokladbollar und andere Klassiker
Wer an Fika denkt, denkt an Kanelbullar. Die Zimtschnecke ist das Symbol auf jedem Fika-Tisch. Es gibt sie in fast jedem schwedischen Café, duftet nach Zimt, Kardamom, frisch gebackenem Hefeteig. Aber das ist nur der Anfang. Kardamomschnecken („kardemummabullar"), Schokokugeln („chokladbollar") oder die Marzipan-Mazarinen, alles hat seinen Platz. Im Winter kommt Safran ins Spiel, dann gibt's Lussekatter, besonders rund um Lucia.
Die Gebäckstücke sind oft kleiner als bei uns, aber niemand bleibt bei einem. Und immer wieder steht ein alter Kaffeekessel in der Ecke, manchmal auch eine Teekanne, selten fehlt O'boy-Kakao für die Kinder.
Im Naschhaus stehen die Klassiker griffbereit im Regal. Wer Lust auf echte Fika-Atmosphäre hat, findet bei uns nicht nur die Zimtschnecke, sondern auch das passende Drumherum, von Keksen bis O'boy. Einmal im Jahr, zum Geburtstag vom Naschhaus, holen wir extra viele Fika-Sorten ins Kiez-Regal. Einen Eindruck davon gibt es im Beitrag zu 9 Jahre Naschhaus: Schwedische Süßigkeiten in Berlin-Friedrichshain.
Fika unterwegs: Szenen aus dem schwedischen Café
In Schweden ist das Café oft Wohnzimmer-Ersatz. Das merkt man schnell, wenn man im Sommer durch Småland fährt oder im Herbst in Göteborg unterwegs ist. Letzten Sommer habe ich in einem kleinen Holzhaus-Café gesessen, irgendwo am See. Holzvertäfelte Wände, alte Schwenkbilder, ein Sofa in der Ecke. Die Bedienung stellte eine Teekanne auf den Tisch, daneben eine Schale mit schwedischem Gebäck. Am Nachbartisch diskutierten zwei ältere Damen darüber, ob man Kardamom lieber im Teig oder als Topping mag. Niemand hetzte. Niemand scrollte nebenbei am Handy.
In Stockholm laufen die Dinge etwas schneller, aber das Grundprinzip bleibt. Ob im hippen Café in Södermalm oder im traditionellen Konditori, Fika ist der Moment, in dem du nicht auffällst, wenn du einfach nur dasitzt und isst. Die Lautstärke bleibt angenehm niedrig. Und das Gebäck? Immer frisch, nie zu süß, selten überladen. Für den schnellen Fika-Stopp unterwegs gibt's Chokladbollar im Papiertütchen, kleine Kekse zum Kaffee, manchmal auch herzhafte Backwaren, aber nie ohne etwas Süßes dabei.
Fika in Berlin? Ein Versuch aus dem Naschhaus
Im Naschhaus in Friedrichshain fragen immer wieder Leute, wie man Fika eigentlich „richtig" macht. Es gibt kein richtig oder falsch. Ein paar Tassen Kaffee, ein paar gute Leute, was Süßes – das reicht. Ich habe mir angewöhnt, für Fika zu Hause eine kleine Auswahl auf den Tisch zu stellen. Zwei, drei Sorten Kekse, eine Thermoskanne, vielleicht schwedischer Kakao für die Kinder. Die Stimmung wird sofort entspannter. Selbst wenn draußen die Straße voll ist, fühlt sich die Küche plötzlich ziemlich weit weg von Berlin an.
Viele Stammkundinnen kaufen gleich mehrere Sorten, um ihre eigene Fika zu bauen. Manche bringen sogar O'boy für die nächste Pause im Büro mit. Und immer wieder kommt die Frage: „Gibt's eigentlich die großen Kanelbullar wie in Stockholm?" Meistens nicht, das hat weniger mit dem Angebot zu tun, sondern damit, dass die schwedische Fika eben nicht auf Riesenportionen setzt, sondern auf Vielfalt und Wiederholung.
Wer tiefer einsteigen will, findet im Beitrag Willkommen zur Fika: Ein Blick auf die schwedische Esskultur noch mehr zur Fika-Tradition.
Warum Fika mehr als Pause ist
Fika ist eine kleine Auszeit, ja. Aber sie bringt Leute an einen Tisch, die sich sonst selten begegnen würden. In Schweden habe ich gesehen, wie Chefs und Azubis gemeinsam Kanelbullar teilen, wie Nachbarn sich spontan auf einen Kaffee zusammensetzen, obwohl draußen Schneematsch liegt. Es geht ums Zusammensitzen ohne Ansage, auch mal ums Zuhören nach dem dritten Kaffee. Wer einmal erlebt hat, wie selbstverständlich in kleinen Gruppen gelacht, diskutiert, geschwiegen wird, merkt schnell: Fika ist ein schwedischer Alltags-Moment, der auch nach Stunden noch nachhängt.
Ein Satz, der im Laden öfter fällt: „Das fehlt uns in Berlin." Vielleicht stimmt das. Vielleicht ist es aber auch einfach eine Einladung, es zuhause selbst zu probieren. Die Sachen dafür stehen hier sowieso schon irgendwo im Regal.


