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Gränna und die schwedische Zuckerstange: Polkagrisar neu entdeckt

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Wo Schwedens Zuckerstangen zu Hause sind: Ein Besuch in Gränna

Wer schwedische Süßigkeiten mag, kommt an Gränna nicht vorbei. Der Name klingt vielleicht erstmal nach einem verschlafenen Ort irgendwo zwischen Wald und See, ist aber tatsächlich die Hauptstadt der schwedischen Zuckerstange. Polkagris, das ist in Schweden keine schräge Polka-Band, sondern ein rot-weißes, pfefferminzfrisches Bonbon, das aus Gränna stammt und längst Kultstatus hat. Was den Ort so besonders macht, merkt man spätestens, wenn man am Straßenrand steht und zuschaut, wie die Zuckermasse zu endlosen Stangen gezogen wird.

Ein Dorf, das nach Pfefferminz riecht

Gränna liegt am Ostufer des Vätternsees, in Småland. Der Geruch bleibt im Gedächtnis: Kaum ist man aus dem Auto, weht einem die süße Pfefferminznote in die Nase. Die Hauptstraße – kleine, rote Holzhäuser, weiße Fensterläden, fast überall ein Bonbonladen im Erdgeschoss. Hinter den Scheiben rollen und ziehen die Zuckerbäcker ihre Polkagrisar. Wie die Masse auf den Haken geworfen, gedehnt, dann geklappt wird – das hat was von Küchenhandwerk direkt zum Zuschauen.

Beim ersten Besuch mit meinen Kindern hat vor allem beeindruckt, wie offen hier alles ist. In jedem zweiten Laden kann man den Bäckerinnen und Bäckern beim Ziehen und Drehen zuschauen. Manchmal darf man sogar selbst mit anpacken, wenn gerade ein Workshop läuft. Das braucht ein bisschen Glück. Auch nur zugucken reicht aber schon. Die Stangen, die gerade abgekühlt sind, werden direkt verkauft. Direkter geht’s nicht.

Die Geschichte hinter dem Bonbon

Die Polkagris wurde hier 1859 von Amalia Eriksson erfunden. Ihr Name steht heute auf vielen Verpackungen, auch im Naschhaus. Damals war das Rezept ein kleines Familiengeheimnis. Heute ist es ein nationales Kulturgut. Die klassische Sorte ist rot-weiß und schmeckt nach Pfefferminz. Aber es gibt mittlerweile Varianten in allen Farben und Geschmacksrichtungen. Das Original – also die „Äkta Gränna Polkagris" – wird immer noch nach dem alten Rezept gemacht. Wer sich für die Geschichte interessiert, kann im Ortspark die Statue von Amalia Eriksson anschauen. Die Frau war ihrer Zeit voraus: alleinerziehend, erfolgreich, mutig genug, eine eigene Süßigkeit zu erfinden. Heute kennt sie jeder in Schweden.

Zwischen Tradition und Experiment

In Gränna gibt es nicht nur eine Zuckerstangenbäckerei. Eigentlich fühlt es sich an, als hätte jedes zweite Haus eine eigene. Manche Familien machen das seit Generationen, andere sind erst später dazugekommen. Das Angebot reicht vom Klassiker bis zu Sorten mit Blaubeere, Lakritz oder sogar Chili. Wer einmal wirklich durchprobieren möchte, kann sich eine gemischte Tüte zusammenstellen. Kleiner Tipp: Die ganz neuen Sorten sind manchmal mehr Show als Substanz. Wer wissen will, wie Polkagris eigentlich schmeckt, sollte beim ersten Mal die Pfefferminzvariante nehmen.

Im Laden fällt oft auf, wie viele Besucherinnen und Besucher gezielt nach der „Äkta Gränna Polkagris" fragen. Manche nehmen gleich mehrere Stangen mit, andere suchen sich eine kleine Auswahl – für die Fika-Pause am See oder als Mitbringsel für zuhause. Die 50g-Stange ist ein Klassiker, die wir auch im Naschhaus-Regal haben. Sie schmeckt nicht wie die billigen Weihnachtsstangen aus dem Supermarkt. Die Konsistenz ist knackig, aber nicht zu hart. Der Geschmack klar, nicht zu aufdringlich. Nach dem ersten Biss versteht man, warum Schweden auf diese Süßigkeit stolz ist.

Kein Ausflug ohne Polkagris

Gränna ist nicht groß, aber lebendig. Im Sommer, wenn die Campingplätze rund um den Vätternsee voll sind, drängeln sich die Besucher in den Bonbonläden. Wer zwischendurch etwas anderes sehen will, kann auf den Gränna-Berg steigen. 243 Stufen nach oben, vorbei an alten Holzhäusern, hinauf zum Aussichtspunkt. Von dort sieht man den See, die Insel Visingsö und die hügelige Landschaft von Småland. Oben ein Café, perfekte Fika mit Blick auf die Polkagris-Stadt unten.

Ein paar Straßen weiter fährt die Fähre nach Visingsö. Eine halbe Stunde Überfahrt. Auf der Insel gibt es alte Burgruinen, Runensteine und viel Platz zum Spazierengehen. Wer nach Gränna kommt, geht selten ohne Polkagris wieder heim – mindestens eine Handvoll im Gepäck.

Zuckerstangen in Schweden: Mehr als ein Mitbringsel

In Schweden gehören Polkagrisar so selbstverständlich zum Süßigkeitenalltag wie Marabou-Schokolade oder salziges Lakritz. Es gibt sogar einen eigenen Feiertag: Am 20. April ist Polkagrisens dag. An diesem Tag werden in Gränna noch mehr Stangen produziert als sonst, und überall gibt es kleine Wettbewerbe – wer die längste, die dickste oder die kunstvollste Stange rollen kann. Wer sich für schwedische Naschkultur interessiert, findet hier noch mehr schräge und süße Fakten.

Wer den Sprung nach Schweden nicht schafft, kann sich Polkagrisar auch in Berlin-Friedrichshain ins Naschtütchen packen lassen. Die Zuckerstangen funktionieren nicht nur am Weihnachtsbaum, sondern auch als Snack zwischendurch.

Naschhaus-Moment: Die Sache mit den echten und den falschen Stangen

Im Laden fällt der Unterschied sofort auf. Die „echten" Gränna-Stangen sind handgemacht und kommen im schlichten Papier – kein Glitzer, kein unnötiges Plastik. Wer sie einmal probiert hat, will meistens keine anderen mehr. Die industriellen Nachbauten, die manchmal in Supermärkten auftauchen, sind dagegen oft zu süß, zu weich, zu beliebig. Im Kiez fragen die Leute manchmal, warum die Polkagris aus Gränna anders schmeckt. Die Antwort ist einfach: Weniger Schnickschnack, mehr Handwerk. Und wahrscheinlich auch ein bisschen mehr Pfefferminz.

Noch mehr Schweden für die Naschtüte

Wer sich einmal an Polkagris versucht hat, landet schnell bei anderen schwedischen Klassikern. Bei Marabou etwa bleibt selten eine Tafel liegen – welche Sorten im Naschhaus wirklich alle wollen, steht auf einem anderen Blatt. Dann gibt es noch die salzigen Bonbons, die Fruchtgummis, die Lördagsgodis-Tradition. Gränna bleibt aber der Ort, an dem alles nach Süßigkeit aussieht und auch so riecht.

Ein bisschen Schweden für zuhause

Ob man sich nun selbst auf den Weg nach Gränna macht oder sich die Polkagris im Laden holt: Es bleibt ein Stück Schweden, das in keine Postkarte passt. Für manche ist es nur eine Zuckerstange, für andere ein kleines Stück Kindheit. Im Naschhaus jedenfalls war nach der ersten Lieferung so gut wie keine Stange übrig. Wer sie will, sollte nicht lange überlegen.

Über Andreas

Andreas steckt hinter dem Naschhaus - und hinter jedem Produkt im Sortiment. Seit über 9 Jahren stellt er die Auswahl selbst zusammen, reist regelmäßig nach Schweden und entdeckt dort neue Highlights, Klassiker und Besonderheiten, die man in deutschen Onlineshops nur selten findet. In dieser Zeit hat er sich intensiv mit schwedischen Süßigkeiten beschäftigt, mit ihren Unterschieden, ihrer Qualität und den Fragen, die Kundinnen und Kunden ihm täglich im Laden in Berlin-Friedrichshain stellen. Schwedische Süßigkeiten sind für ihn kein gewöhnliches Sortiment, sondern echte Leidenschaft.

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