Lakritz – Fakten, die du vielleicht noch nicht kanntest
Lakritz ist nicht einfach irgendeine Süßigkeit. Das schwarze Zeug aus Süßholzwurzel hat eine längere Geschichte als die meisten Bonbons in unserem Regal, sorgt für geteilte Meinungen und bringt im Laden immer wieder Diskussionen ins Rollen. Manche kaufen zwei Tüten, andere ziehen beim Anblick schon die Nase kraus. Dazwischen bleibt es erstaunlich leer.
Kaum jemand denkt beim Lakritz-Schub an eine Pflanze, aber genau das steckt dahinter – und zwar mit ordentlich Wucht. Je nach Sorte reicht das Spektrum von mildem Konfekt bis zu Salmiakbalk, der auch erfahrene Fans kurz schlucken lässt. Wer Lakritz mag oder verstehen will, warum andere es nicht mögen, stolpert früher oder später über Fragen: Wie viel ist zu viel? Warum stehen auf manchen Packungen Warnhinweise? Glycyrrhizin – was soll das eigentlich sein?
Hier geht’s um Fakten. Kein Wellness-Blabla, keine Übertreibung. Einfach das, was man wissen sollte, wenn Lakritz in der Einkaufstüte landet.
Von der Wurzel zum Lakritz – so läuft’s
Alles startet mit der Süßholzwurzel. Die wächst tief und verzweigt sich, was das Ernten zur kleinen Herausforderung macht. Aus der Wurzel wird ein Extrakt gewonnen, das später mit Zucker, Stärke, Geliermitteln und – je nach Rezept – mit Salmiaksalz, Aromen oder Mehl vermischt wird. Manche Produzenten nehmen Gummi arabicum, andere setzen auf Gelatine oder Pektin.
Das Endprodukt kann knallhart sein wie ein Bonbon oder weich wie eine Schnecke. Süß, salzig, manchmal fast schon dreist. Die Bandbreite überrascht viele – spätestens, wenn sie im Naschhaus das Lakritz-Regal abgehen. Lakritz ist eben nicht Lakritz.
Klar, die meisten Sorten kommen inzwischen aus der Fabrik. Ein paar Betriebe machen’s noch in Handarbeit – und das schmeckt man. Neulich hielt jemand ein rundes, mattes Stück in der Hand und fragte, ob das tatsächlich Lakritz sei.
Was steckt drin? Inhaltsstoffe und Wirkung
Glycyrrhizin, der wichtigste Stoff im Süßholz, ist rund 50-mal süßer als Zucker und gibt Lakritz seinen typischen, leicht bitteren Kick. Genau diese Kombination sorgt für Streit am Probiertisch.
Süßholz wird seit Jahrhunderten in Kräuter- und Arzneitraditionen verwendet – unter anderem bei Husten oder Magenbeschwerden. Aber: Glycyrrhizin mischt auch im Hormon- und Mineralhaushalt mit. Es kann den Blutdruck steigen lassen, Kalium senken und bei hoher Dosis sogar den Testosteronspiegel beeinflussen. Deshalb müssen Starklakritz-Packungen einen Warnhinweis tragen. Die Dosis macht’s – das ist kein PR-Trick.
Abgesehen davon kommen ungefähr 400 weitere Stoffe im Süßholz vor, darunter Flavonoide und Saponine – Stoffe, die man auch aus anderen Pflanzen kennt. Lakritz ist also kein pures Zuckeraroma.
Wie viel Lakritz geht klar?
Das hängt vom Glycyrrhizingehalt ab. In Deutschland ist das geregelt:
Milde Sorten (unter 0,2 g Glycyrrhizin pro 100 g): hier werden bis zu 100 g täglich als unbedenklich eingestuft. Normalstarke Sorten (0,2–0,4 g/100 g): bei 50 g täglich ist Schluss. Starklakritz (über 0,4 g/100 g): hier reichen 25 g.
Wer Medikamente nimmt, Bluthochdruck hat oder schwanger ist, sollte doppelt hinschauen. Glycyrrhizin kann die Wirkung von Medikamenten verändern und den Blutdruck weiter hochjagen.
Ein Satz, den ich im Laden fast wöchentlich höre: „Wie viel darf ich davon eigentlich essen?” Antwort: Weniger, als die Tüte verspricht. Aber mit mehr Geschmack.
Lakritz in der Schwangerschaft – besser Abstand halten
In der Schwangerschaft lohnt sich bei Lakritz ein genauer Blick. Eine finnische Studie von 2017 belegt, dass Glycyrrhizin die Wirkung von Cortisol verstärken kann. Das beeinflusst das Geburtsgewicht – im schlimmsten Fall steigt das Risiko einer Frühgeburt. Kinder von Müttern mit viel Lakritz auf dem Speiseplan hatten öfter Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisprobleme.
Empfohlen werden maximal 100 g Lakritz pro Woche – oder am besten gar keins. Wer auf Sicherheit setzt, lässt es in der Schwangerschaft einfach sein.
Vor kurzem kaufte eine Kundin ein Glas Lakritz kurz vor der Geburt. Für „nachher”, wie sie sagte. Ein paar Väter bringen die Tüte direkt mit ins Krankenhaus. Seltsame, aber typische Ladenmomente.
Männer, Testosteron und Lakritz
Studien zeigen: Wer dauerhaft große Mengen Lakritz verdrückt, kann den Testosteronspiegel drücken. Glycyrrhizin funkt in die Hormonproduktion rein – das merkt man vielleicht nicht sofort, aber es kann sich auf Libido und Fruchtbarkeit auswirken.
Beruhigend: Wenn man aufhört, spielt sich das wieder ein. Bei normalem Konsum kein Thema, aber wer gerade ein Kind plant oder empfindlich ist, sollte es trotzdem im Kopf behalten.
Magenfreundlich? Lakritz kann helfen
Süßholz taucht seit Jahrhunderten auch bei Magenbeschwerden auf. Wer gezielt dafür etwas sucht, landet oft eher bei Süßholztee als bei einer Tüte Salzlakritz.
Ein Laden-Tipp: Salziges Lakritz hilft oft bei Halsschmerzen. Schmeckt speziell, aber das berichten regelmäßig Leute an der Kasse. Wahrscheinlich liegt’s daran, dass der Speichel so richtig in Gang kommt.
Blähungen vom Lakritz – kommt vor
Gerade bei größeren Mengen. Glycyrrhizin kann die Verdauung beeinflussen, manchmal gibt’s mehr Gas als gedacht. Viele Sorten enthalten Zuckeralkohole oder Süßstoffe, die bei empfindlichen Menschen sowieso für Blähungen sorgen.
Wem das schon bei anderen Süßigkeiten auffällt, den überrascht es auch bei Lakritz nicht mehr.
Wie lange bleibt Lakritz im Körper?
Glycyrrhizin hält sich bis zu 72 Stunden nach dem Genuss im Körper. Die Effekte auf den Hormonhaushalt können sich bei regelmäßigem Konsum über Wochen oder Monate aufbauen – vor allem der Blutdruck macht da keine Ausnahme.
Wer also täglich Lakritz isst, sollte das auf dem Schirm haben.
Wie Lakritz zur Süßigkeit wurde – ein Zufall mit Zucker
Eine der Geschichten: Die Familie Dunhill aus Pontefract in Yorkshire, England, kochte Süßholzwurzeln – bis aus Versehen Zucker im Topf landete. Später kam noch Mehl dazu, und plötzlich war Lakritz nicht mehr nur Medizin.
Ob’s so war, weiß keiner. Aber sie zeigt, wie aus Heilpflanze Naschwerk wurde. Heute läuft das meiste industriell, aber ein paar kleine Hersteller halten die alten Rezepte am Leben. Wenn man Glück hat, steht eine ihrer Sorten tatsächlich mal im Regal.
Lakritz im Naschhaus – lose, ehrlich, Berliner Alltag
Unser Lakritz-Regal hat sich über die Jahre ausgebreitet. Die losen Sorten zum Selbstmischen nehmen inzwischen fast eine ganze Wand ein. Jeden Tag landen im Laden Fragen: „Welches ist am salzigsten?”, „Was ist eigentlich der Unterschied bei Haupt Lakrits?”, „Was knallt am meisten?”
Lieblingssorte? Die Frage kommt oft. Antwort: Es gibt immer ein paar Klassiker. Vollmilchschoko-Lakritz mag ich persönlich gern, aber Salmiakbalk – das ist schon eine Ansage.
Wer in Berlin Lakritz sucht, landet irgendwann bei uns. Mild, extrem salzig, klassisch oder waghalsig. Lakrids by Bülow, Haupt Lakrits, Malaco – lose zum Selbstmischen oder verpackt zum Mitnehmen. Ein Platz, an dem sich Lakritzfreunde aus Friedrichshain und Prenzlauer Berg schon mal am Regal festquatschen.
Für Neugierige: Unser Lakritz-Sortiment gibt’s hier.
Oder einfach vorbeikommen: Wühlischstraße 25 in Friedrichshain. Einmal durch die Tür, schon steht man vor der Wand.
Häufige Fragen
Warum gibt es in Schweden so viel Lakritz?
Lakritz gehört in Schweden zum Alltag – wie Fika oder Lördagsgodis. Die Tradition reicht dort weit zurück, und salzige Sorten sind Standard. Schwedische Hersteller wie Malaco haben die Sortenvielfalt geprägt. Was bei uns noch als Mutprobe gilt, ist in Stockholm ein Kindergeburtstags-Mitbringsel.
Warum mögen manche Lakritz und andere nicht?
Lakritz schmeckt so eigen, weil Glycyrrhizin süß und zugleich leicht bitter ist. Manche finden das spannend, andere lehnen es ab. Ein bisschen Genetik, ein bisschen Gewöhnung: Wer als Kind schon Lakritz bekommt, entwickelt oft eine Vorliebe. Wer erst später probiert, bleibt häufiger skeptisch.
Was ist der Unterschied zwischen Lakritz und Salmiak?
Lakritz kommt von der Süßholzwurzel und schmeckt süßlich bis bitter. Salmiak meint Lakritz mit Salmiaksalz (Ammoniumchlorid) – das gibt den typischen salzigen, manchmal stechenden Ton. In Skandinavien völlig normal, hier noch für viele ein Abenteuer.
Und wie immer gilt: Wer gesundheitliche Fragen zu Lakritz hat oder regelmäßig Medikamente nimmt, fragt besser einmal mehr bei Arzt oder Apotheke nach als einmal zu wenig.


